Magersucht (Anorexia nervosa)

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Begriff

Magersucht, Anorexia nervosa, Anorexie

Definition

Diagnosekriterien

  • Selbst herbeigeführtes Untergewicht durch eingeschränkte Energiezufuhr (Fasten, selektives Essen) oft in Kombination mit exzessiver körperlicher Aktivität oder anderen Maßnahmen, die einer Gewichtszunahme entgegenwirken.
  • Körperschemastörung
  • Ausgeprägte Phobie vor Gewichtszunahme
  • Verknüpfung des Selbstwerts mit Essverhalten, Figur und Gewicht

restriktiver Typ: Konsequentes Fasten und dadurch Halten oder Verstärken des Untergewichts

Binge/Purging-Typ (Bulimische Anorexie): Heißhhungeranfälle werden durch Erbrechen, Abführen etc. kompensiert


weitere Merkmale

  • ständige Beschäftigung mit dem Thema Essen
  • Trinken großer Mengen Wasser speziell vor den Mahlzeiten
  • extrem langsames Essen, viel Herumstochern
  • Verzicht auf immer mehr Nahrungsmittel, die als „ungesund“ angesehen werden
  • meist vegetarische o. vegane Ernährung
  • Bedachtsein auf die ausreichende und gute Ernährung aller anderen!
  • Rückversicherungen („Ich bin nicht zu dick, oder?“, „Ich habe jetzt aber wirklich genug gegessen, oder?“)
  • extrem hohe Disziplin und pathologischer Perfektionismus
  • starke Leistungsorientierung, gute bis sehr gute o. herausragende schulische, ausbildungsrelevante o. berufliche Leistungen
  • extreme sportliche Leistungen

Natürlich leidet nicht jeder, der diese Merkmale aufweist, unter einer Eßstörung. Dennoch sollte man bei Kombination von sichtbarem Gewichtsverlust und auffallend hagerer Statur in Kombination mit o.g. Merkmalen ein aktives Gesprächsangebot machen („Ich sehe, daß Du in letzter Zeit deutlich an Gewicht verloren hast und mache mir deshalb Sorgen um Deine Gesundheit. Kann ich Dir irgendwie helfen?“).
Es sollte dann eine Vorstellung bei einem Arzt oder in einer Klinikambulanz veranlaßt werden.

Symptome

allgemeine Symptome

  • Untergewicht, Auszehrung (Kachexie)
  • ständiges Frieren, Frösteln
  • trockene Haut
  • Blasenschwäche
  • Verstopfung (Obstipation)
  • Haarausfall
  • Zunahme der Körperbahaarung (Lanugo-Behaarung)
  • Ausbleiben der Regel (Amenorrhoe)
  • Libido- u. Potenzverlust
  • verminderter Herzschlag (bei Puls < 30/min ⇒ sofort Klinikeinweisung)
  • Schlafstörungen
  • Bauchschmerzen nach dem Essen
  • Magenschmerzen, Sodbrennen
  • Blässe
  • Schreckhaftigkeit

klinische Befunde

  • BMI < 17,5 kg/m2 oder < 50% des medianen BMI
  • Erstgespräch: Akute Beschwerden, Krankheitseinsicht, Therapieeinsicht, Konzentrationsstörungen, Denkstörungen
  • Körperliche Untersuchung: Ödeme, Hämatome, Lungenstauung, Herzgeräusche, Pulsunregelmäßigkeiten, niedriger Puls, Kurzatmigkeit,
  • EKG: Herzrhythmusstörungen (Long-QT-Syndrom)
  • Herzultraschall: Herzbeutelerguß, Herzschwäche (linksventrikuläre Dysfunktion), gestörte Funktion der Herzklappen (Mitralklappenprolaps)
  • Labor:

Alarm-Symptome!

bei folgenden Symptomen der Unterernährung besteht Lebensgefahr (Herzstillstand, Kollaps etc.) und es muß sofort eine stationäre Behandlung und Überwachung eingeleitet werden:

  • BMI < 15 kg/m2
    bei Kindern < 18Jahre: BMI < 70% des medianen BMI
  • sehr rascher Gewichtsverlust (über Wochen)
  • anhaltender Gewichtsverlust über 3 Monate trotz psychotherapeutscher Behandlung
  • Kollaps, Bewußtseinsstörung
  • wirres Reden oder Verhalten
  • Puls < 30/min
  • Herzstolpern, Herzrasen
  • Luftnot
  • körperliche Schwäche, Leistungsabfall
  • Äußerung von Suizidabsichten
  • auffällige anhaltende Stimmungstrübung
  • anhaltende Bauchschmerzen
  • Stuhlverhalt > 3 Tage
  • zunehmende Blässe
  • Wassereinlagerungen (Ödeme) z.B. an Knöcheln, Unterschenkeln
  • wunde Stellen über der Wirbelsäule, an Fingerknöcheln, Ellenbogen etc.
  • vermehrt Blutergüsse
  • starke Magenschmerzen
  • Erbrechen mit Blutbeimengungen
  • starke Abmagerung und fieberhafter Infekt
  • Überforderung der Angehörigen
  • geringe bis keine Krankheitseinsicht und daher drohende rasche Verschlechterung

Die Wiederernährung nach längeren ausgeprägten Hungerphasen (Refeeding) sollte ausschließlich unter engmaschiger ärztlicher Aufsicht oder stationär erfolgen. Durch Elektrolytverschiebungen kann eine zu schnelle Gewichtserhöhung gravierende bis tödliche Folgen haben (Refeeding-Syndrom)!

(Be)Deutung

  • Saturnprinzip nach Dahlke
  • Aufschrei: „Schaut her, mein Herz hungert, ich brauche Lieben und Anerkennung!“

nach Chakrenlehre:

Konventionelle Behandlungsmöglichkeiten

Psychotherapie

In über 20 RCTs seit 2008 zeigt sich bei Erwachsenen keine der Psychotherapieformen als überlegen. (Hartmann et al. 2011; Hay et al. 2015)

Unterstüzende Behandlung

Kräuter & Co

Die Gerbstoffe des Lavendelöls beruhigen die Magenschleimhaut. Weitere Wirkstoffe  beruhigen das Nervensystem ohne schläfrig zu machen. Ein hervorragendes Mittel gegen nervöse Magen-Darm-Beschwerden!

4 Tropfen (80g) Ätherisches Lavendelöl aus kBA in einen Naturjoghurt mischen. Nach Geschmack können zusätzlich Obst und Getreiflocken mit untergerührt werden. 

Alternativ vor allem bei Nervosität und Schlafstörungen:
Lasea® 1-2 Kps. zur Nacht

brainteaWirkstoffe des Extraktes aus getrocknetem Melissenkraut wirken ebenfalls besänftigend auf eine gereizte Magenschleimhaut, aber auch gegen Blähungen.
Auf das Nervensystem wirken sie berihigend und fördern darüber hinaus Wachheit und die Konzentrationsfähigkeit.

1-2 Teelöffel (1,5g) mit 150ml kochendem Wasser aufgießen. 10 Minuten abgedeckt ziehen lassen, dann absieben. Täglich 2-3 Tassen trinken.

RhodiolaRhodiola wirkt als sog. Adaptogen, das heißt, es gleicht sowohl ein Zuviel als auch ein zu wenig z.B. an nervalen Botenstoffen aus. So wird ein Gleichgewicht hergestellt, daß Streßreaktionen abmildert aber auch depressive Stimmungen bessert.

Es gibt Rosenwurzextrakt sowohl als Arzneimittel als auch als Nahrungsergänzungsmittel.

⇒ Fragen Sie zu konkreten Präparaten und Dosierungen Ihren Therapeuten.

Der Extrakt aus dem Kraut enthält verschiedene Flavonoide, die Angst, Nervosität und Aufregung abmildern, beruhigen und entspannen, ohne tagsüber müde zu machen.

1 Teelöffel (2g) getrocknetes Passionsblumenkraut mit 150ml kochendem Wasser aufgießen. 10 Minuten abgedeckt ziehen lassen, dann absieben. Täglich 2-4 Tassen trinken.

Vorsicht! Auch pflanzliche Produkte enthalten hochwirksame Stoffe und sollten nicht ohne Rat und Wissen eines in Phytotherapie erfahrenen Therapeuten eingenommen werden.
Da sich in pflanzlichen Extrakten auch immer Stoffe befinden, die der Organismus entgiften und wieder ausscheiden muß, sollte man Phytotherapeutika immer nur kurmäßig über einige Wochen einnehmen und dann einige Wochen eine Pause einlegen, in der sich der Organismus erholen kann.

Homöopathie

Blüten-Essenzen

Bachblüten

  •  

Australian Bush Flowers

  • Crowea + Dog Rose + Paw Paw + Peach-flowered Tea-tree

Steine & Kristalle

Vorsicht!

Erkrankungen können nicht mit Steinen oder Kristallen geheilt werden! Aufgrund ihrer physikalischen Eigenschaften können sie jedoch oft - indem man sich mit ihnen beschäftigt - helfen, eine gute heilungsfördernde Umgebung zu schaffen. Nebenwirkung durch die Anwesenheit oder das Berühren von Steinen und Kristallen sind bisher nicht beschrieben worden.

  • Grauer Achat
  • Schwarzer Turmalin

Sonstiges

Hilfreiche Adressen & Links

Literaturempfehlungen​

  •  
  • Antonia C. Wesseling: Wie viel wiegt mein Leben?: Warum wir bei Magersucht über den Tellerrand schauen müssen ¦ ISBN-10: ‎ 3959102887 ¦ ISBN-13: ‎ 978-3959102889

Ernährungsberatung bei Magersucht

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